Liebe Vereinsmitglieder,
bevor wir uns in die diesjährige Sommerpause
verabschieden, erhalten Sie wie gewohnt den
Rundbrief für die zweite Jahreshälfte, um schon
einmal die Vereinstermine in Ihre Planungen
aufnehmen zu können.
Rückblickend auf die erste Jahreshälfte können wir
resümieren, dass wieder einige sehr interessante
Vorträge stattgefunden haben und insbesondere
unser Treffen in den Fritz-Reuter-Stuben durch
zahlreiches Erscheinen und ausgelassene
Stimmung zu einem Highlight wurde.
Aufgrund widriger Umstände musste indessen die
Vereinsfahrt nach Neustrelitz abgesagt werden.
Trotz intensiver Bemühungen um die rasche
Organisation einer alternativen Fahrt nach
Greifswald mussten wir letztlich auch diese
Planungen aufgeben, da uns die Besuchs- und
Führungstermine nicht bestätigt werden konnten.
Dennoch konnten wir an diesem Tag unseren
Vereinsmitgliedern einen „Ausflug“ anbieten,
nämlich in die Trotzenburg zur Buchvorstellung des
von unserem Verein für eine Veröffentlichung
unterstützten Werkes über Rostocker Bier- und
Schankstuben. Mehr dazu lesen gern in der Rubrik
„Rückblick“ in dieser Ausgabe.
Wir beginnen das nächste Halbjahr mit einem
„Vortrag zu Fuß“. Unser Vereinsmitglied Dr. Volker
Höffer nimmt uns mit auf einen Rundgang zu
Wirkungsstätten der Rostocker Stasi. Zwei weitere
Vorträge werden wie gewohnt im
Kulturhistorischen Museum stattfinden, und wir
freuen uns wie jedes Jahr darauf, im November
wieder zur Mitgliederversammlung mit einer
kleinen Weihnachtsfeier zusammenzukommen.
Bis dahin wünschen wir einen schönen Sommer!
Ihr Vorstand
Veranstaltungen ab September 2026
30. September 2026, 15.00 Uhr, Galerie Rostocker
Hof, Kröpeliner Str. 26
Herr Dr. Volker Höffer
Rostock geheim! Stasi-Stadt-Rundgang
Die DDR hinterließ überall in Rostock ihre Spuren.
Manche sind heute verborgen oder ganz aus dem
Stadtbild verschwunden. Das Ministerium für
Staatssicherheit (MfS oder „Stasi“) agierte zumeist
geheim. Als „Schild und Schwert“ der SED-Diktatur
unterhielt es auch in Rostock nicht nur offizielle
Dienststellen, sondern nistete sich verdeckt auch in
vielen weiteren Gebäuden ein. Zahlreiche Orte
zeugen von politischer Verfolgung 1945-1989.
Der Stasi-Stadt-Rundgang begibt sich auf die Spuren
der Geheimpolizei in der Rostocker Innenstadt. Die
Teilnehmenden lernen unter anderem den ersten
Sitz der MfS in Rostock oder das Konspirative Objekt
„Sport“ kennen und erfahren, wo, wie, warum und
mit welchen Folgen die Stasi hier wirkte.
Die Teilnehmerzahl ist auf 20 begrenzt. Bitte melden
Sie sich per E-Mail bis zum 11.09.2026 an
britta.wagner@uni-rostock.de
28. Oktober 2026, 16.00 Uhr, Kulturhistorisches
Museum (Kloster zum Heiligen Kreuz), Kapitelsaal
Herr Klaus Sarcinelli
Mensch und Kommunikationstechnik in der
Geschichte Rostocks
Kommunikation war und ist ein existenzielles
Grundbedürfnis sowohl für den Menschen als
einzelnes Individuum, als auch für die menschliche
Gemeinschaft insgesamt. Die Betrachtung dieses
zentralen Aspekts eignet sich zum Verständnis des
Lebens in geschichtlicher Zeit.
Mit einsetzender Industrialisierung im 19.
Jahrhundert stieg der Nachrichtenaustausch stark
an. Die technische Entwicklung von manueller
Vermittlung über Elektromechanik zu Elektronik
und Miniaturisierung führte zu Qualifikation und
Spezialisierung. Die Zahl der Beschäftigten im
Nachrichtenbereich in der DDR-Zeit erhöhte sich
trotz allgemeinem Arbeitskräftemangel kontinu-
ierlich. Insbesondere der Frauenanteil war hoch. In
Rostock modernisierte man das Fernmeldewesen
ständig und erreichte Ende der 1980er Jahre
technisch einen sehr hohen Stand.
24. November 2026, 16.00 Uhr, Max-Samuel-Haus,
Schillerplatz 10
Vollversammlung mit Weihnachtsfeier
27. Januar 2027, 16.00 Uhr, Kulturhistorisches
Museum (Kloster zum Heiligen Kreuz), Kapitelsaal
Herr Niklas Konrad
„Rostock als ‚unwillige Residenz‘ – Zwischen
städtischer Autonomie und fürstlichem
Herrschaftsanspruch“
Der Vortrag beleuchtet Rostock nicht als
gescheiterte Residenz der mecklenburgischen
Herzöge, sondern als bewusst widerständige Stadt
im Spannungsfeld zwischen urbaner Autonomie
und landesherrlichem Zugriff. Im Mittelpunkt steht
die Frage, inwiefern politische Selbstorganisation,
wirtschaftliche Potenz und hansische Vernetzung
der Stadt einer dauerhaften fürstlichen Präsenz
entgegenwirkten. Dabei soll anhand zentraler
Konfliktfelder zwischen der Stadt und den
mecklenburgischen Herzögen gezeigt werden, dass
Rostock eine Integration in die fürstliche
Residenzordnung nicht nur strukturell erschwerte,
sondern auch aktiv begrenzte. Die Analyse versteht
diese Handlung nicht als Sonderfall, sondern als
Ausdruck einer spezifischen politischen Kultur der
Städte im spätmittelalterlichen und frühneuzeit-
lichen Norddeutschland. Abschließend soll daher
diskutiert werden, inwiefern Rostock auf diese
Weise exemplarisch für die Handlungsspielräume
wohlhabender Handelsstädte steht.
Rückblick:
Buchpräsentation „Abstinentenheim
und Schütting“ von Jens Andrasch in
der Rostocker Trotzenburg
Einen besseren Ort hätten sich Autor Jens Andrasch
und der Wismarer Callidus-Verlag nicht aussuchen
können! Wie kaum ein anderes Lokal verkörpert die
„Braumanufaktur Trotzenburg“ Rostocker Restau-
rationsgeschichte. Seit 1839 lockt die gastrono-
mische Einrichtung die Rostocker und Ihre Gäste in
den Barnstorfer Wald. Auch am 13. Juni folgten
mehr als 60 Interessierte, darunter zahlreiche
Mitglieder unseres Vereins, der Einladung, an einer
Buchpräsentation teilzunehmen.
Im „proppevollen“ Saal stellte der Rostocker
Hobbyhistoriker Jens Andrasch sein neuestes Werk
„Abstinentenheim & Schütting. Rostocker Restau-
rations- und Beherbungsgewerbe zwischen 1845
und 1945“ vor. Das gewichtige Buch bringt 1,7
Kilogramm auf die Waage, hat 540 Seiten, enthält
1250 Abbildungen und stellt 385 Einrichtungen der
Gastronomie vor. Dazu gehören Hotels, Gaststätten,
Restaurants, Schankstuben aber auch Cafés und
Konditoreien sowie das Abstinentenheim. An
diesem Ort, der einzige in der Stadt Rostock, gab es
allerdings keine alkoholischen Getränke. Heute
existieren von den Lokalen noch 22, darunter die
Trotzenburg.
Für das Nachschlagewerk recherchierte Andrasch
im Rostocker Stadtarchiv, im Archiv der Rostocker
Brauerei, der Universitätsbibliothek, aber auch in
Familiennachlässen. Auf dieser Grundlage ent-
stand ein einmaliger Rundgang durch die
Gastronomie in Rostock, Warnemünde und
Umgebung. Es ist ein „Lebenswerk“, arbeitete der
Autor doch mehr als zehn Jahre daran
Der reich bebilderte Band zeigt jedoch nicht nur
historische Aufnahmen der Lokale und Cafés,
sondern er bietet mit den abgebildeten Speise-
karten, Untersetzern, Gläsern, Bestecken usw.
einen bunten Einblick in das gastronomische
Zubehör vergangener Jahrzehnte.
Während der knapp 75-minütigen Veranstaltung
gaben Autor und Verlag einen interessanten
Einblick in die Erarbeitung und in die technische
Umsetzung des Werkes. Leseproben und zahl-
reiche Fragen an den Autor rundeten den
insgesamt gelungenen Nachmittag ab. Angesichts
solch eines Themas hatten die Kellner und
Kellnerinnen der Trotzenburg alle Hände voll zu
tun, um die Wünsche der Zuhörer nach einem
kühlen Bier oder nach einem Kaffee abzuarbeiten.
Am Ende der Veranstaltung nutzten viele Besucher
die Gelegenheit, ein Buch zu erwerben und sich vom
Autor ein Autogramm geben zu lassen. Bleibt zu
hoffen, dass das in einer dreihunderter Auflage
erschienene und 40 Euro teure Buch eine weite
Verbreitung findet.
„Tue Gutes und sprich darüber!“ Vor diesem
Hintergrund möchten wir allerdings nicht unerwähnt
lassen, dass sich auch der Rostocker Geschichts-
verein neben zahlreichen Sponsoren und
Unterstützern um die Realisierung des Buchpro-
jektes verdient gemacht hat. Mitglieder des
Vorstandes schrieben unentwegt Briefe, so an die
Sparkasse, an die Köste, an die IHK, an die
Stadtwerke usw., mit der Bitte, bei der Finanzierung
der Druckkosten zu helfen. Dank eines Besuches
zweier Vorstandsmitglieder mit Herrn Andrasch bei
der Firma Getränkeland in Elmenhorst konnte
Mitinhaber Axel Heidebrecht als Unterstützer
gewonnen werden.
Vereinsnachrichten
Nachruf
Der Verein für Rostocker Geschichte e.V. trauert um
Hans-Werner Bohl (6. August 1948 – 9. April 2026).
Herr Bohl war Gründungs- und als Beisitzer
mehrjähriges Vorstandsmitglied unseres Vereins.
Besondere Verdienste erwarb er sich als Mitautor
der Texte für die vom Verein an wichtigen Rostocker
Gebäuden angebrachten Tafeln. Für die
Erstauflage der Veröffentlichung dieser Tafeltexte
fertigte Herr Bohl sämtliche Fotografien an. In
lebhafter Erinnerung sind vielen Vereinsmit-
gliedern auch seine Vorträge über die Bombar-
dierungen Rostocks im Zweiten Weltkrieg.
Gleiches gilt für die Zuvorkommenheit und
Expertise, mit der Hans-Werner Bohl in seiner
jahrzehntelangen Tätigkeit im Archiv der Hanse-
und Universitätsstadt Generationen von Nutzern
betreut und beraten hat. Der Verein für Rostocker
Geschichte wird Herrn Bohl ein ehrendes
Andenken bewahren.
Neuaufnahmen
Wir freuen uns, Ihnen die Aufnahme neuer Mit-
glieder im ersten Halbjahr 2026 bekanntzu-
geben:
Frau Dr. Geerdes-Fenge, Ärztin, Herr Carsten
Klehn, Pressesprecher WIRO, Frau Dr. Kirsten
Rückborn, Rentnerin sowie Herr Frank Struboll,
Angestellter.
VEREIN FÜR ROSTOCKER GESCHICHTE E. V.
Verein für Rostocker Geschichte e.V. Ostseesparkasse Rostock
c/o Prof. Dr. Ernst Münch IBAN DE31 1305 0000 0201 0322 95
Thomas-Mann-Str. 14 BIC NOLADE21ROS
18055 Rostock
www.rostocker-geschichte.de
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britta.wagner28@web.de
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